2015-01-30

Gestern …

… hat die Ärztin, bei der ich zur Zeit temporär in Behandlung bin, sich von dem Computer abgewendet (nachdem sie ein Rezept ausgedruckt hatte), guckte mir in die Augen und fragte mich ruhig und gelassen mit einer Kompetenz und Nachdrücklichkeit, dass ich keine Sekunde lang an der Rechtschaffenheit ihrer Frage zweifeln konnte: „Kann ich etwas für Sie tun?”

Ich war perplex. Ein kleines bisschen überfordert war ich in diesem Moment auch. Aber es war ein schöner Moment.

2015-01-27

Bin ich jetzt eigentlich die Zicke?

Im vergangenen Jahr erhielt ich eine Mail von einer PR-Agentur. Übliches Szenario: Kundenstamm dort, Blog hier, Kunden wollen Geräte/Produkte testen lassen, Events organisieren, Blog hier sollte natürlich erwähnen. Bis auf einen kleinen Formfehler in der Anrede, war die Mail sehr höflich und charmant verfasst, für mich vielleicht eine kleine Spur zu kursiv, aber das ist Geschmacksache. Also soweit alles gut. Bis dann ich im letzten Satz gefragt werde bzw. man mir – wenn auch höflich umschrieben – die Ansage macht, ich möge doch als erstes mit meinen Blogzahlen rüber kommen, weil dem Hersteller diese zur Orientierung dienen würden.

Man verstehe mich nicht falsch. Natürlich weiß ich, dass im Online-Marketing man natürlich mit Page Impressions und Visits etc. versucht irgendwie einen möglichen Erfolgs-Score zu generieren, von dem wir alle wissen, dass er im Grunde eher so … Bullshit ist nichts bzw. nur die Hälfte über einen tatsächlichen Erfolg aussagt. Und mir ist klar, dass auch PR-Agenturen natürlich über einen solchen Kennwert den eigenen Erfolg verkaufen müssen, obwohl er … s.o.

Aber wieso, bitteschön, soll ich als Bloggerin einer mir nicht wirklich bekannten PR-Agentur meine Kennzahlen nennen? Ist es nicht so, dass man etwas von mir möchte? Denn – mal Budder bei de Fische – es geht hier nicht darum, dass ich zum Spaß zu Blog-Events eingeladen werde oder man mir Test-Geräte andienen möchte. Schlussendlich geht es darum, dass ich in der Folge Arbeit und Energie in einen Text stecke, der dann unter meiner Hausanschrift erscheint. Sollte man mich dann nicht zuerst nach meinem Wollen befragen, nach etwaigen Wünschen meinerseits? Eventuell mich sogar nach dem Wert meiner Arbeit befragen? Sich zuallererst einen persönlichen Kontakt mit mir erarbeiten?

Zumindest bevor man an mich eine Forderung stellt? Ist das Usus mittlerweile? Oder sehe ich das zu eng? (Vielleicht hatte ich mit den Agentur- und Kundenkontakten im letzten Jahr auch nur besonderes Glück) Ich würde in der Phase der Akquise so nicht auf jemanden zugehen, wenn ich doch eigentlich etwas von der Person möchte.

Was meint Ihr? Wie sind Eure Erfahrungen in jüngster Zeit?

Liebe

In dem Haus mir gegenüber wohnt ein älterer Herr mit dem ich erstmals im letzten Jahr in persönlichen Kontakt kam als Norma starb. Er war der, der am Tage ihres Todes nachmittags vor ihrem Balkon stand, traurig anmerkte, dass sie nun tot sei und dabei Tränen in den Augen hatte.

Er wohnt mit seiner Frau mir gegenüber im dritten Stock. Sie ist mittlerweile auf den Stock angewiesen und verlässt daher die Wohnung seltener als er. Er ist der, der morgens das Haus mit der Mülltüte verlässt und sich zur täglichen Einkaufsrunde aufmacht.

Sie wird dann immer oben am offenen Fenster stehen, dann tritt er aus dem Haus geht noch mal ein Stück nach rechts, sie rufen sich etwas zu, winken einander und dann macht er sich nach links auf den Weg zum Müll.

Ich denke, wenn sich frühe Liebe zu etwas entwickelt, dass es einem noch nach Jahren wichtig macht, sich so herzlich zu verabschieden, dann ist es gut.

2015-01-26

Wenn der Sohn die Mama dumm anmacht …

Nette Idee, peruanische Mütter erleben verkleidet wie ihre Söhne sie auf der Straße sexistisch anbaggern und reden daraufhin mit ihnen Klartext.

Ich bin mir nur noch nicht so ganz über die eigentliche Aussage im Klaren. Ist also der verbale Übergriff von Männern gegenüber Frauen auf der Straße ein Erziehungs- und/oder Kommunikationsproblem? Denken Frauen, gerade ihr eigener Sohn tut so etwas nicht und stellen deswegen irgendwann Erziehungsbemühungen ein?

Wie lange muss man auf die Söhne einwirken, damit sie ein Bewusstsein dafür bekommen, dass das nicht okay ist? Sind tatsächlich die Mütter schuld daran, dass Söhne diese besondere Form der Kommunikation suchen, weil sie nicht ausreichend verdeutlichen, wie unangenehm das ist?

Und inwiefern wohl wird heutig in Familien unter den Eltern diskutiert, was sie in dem Punkt ihrem Sohn mit auf den Weg geben wollen, was leben sie ihnen vor? Gibt es hierzu Gespräche unter den Eltern heutzutage? Erziehungsentwürfe?

Ich hätte mir gewünscht auch sehen zu können, wie die Väter reagiert hätten …

2015-01-19

Brot II

Langsam aber sicher komme ich meinem Wunschbrot näher.



Vergangene Woche habe ich in Anlehnung an das Rezept vom Rustikalen Bauernbrot von Claudia von fool for food die Mehlkomponenten einfach ausgetauscht. Also 205 g Roggenmehl und 125 g Dinkelmehl (im Originalrezpt ist es Weizenmehl).

Also:

100g Sauerteig
15 g Wasser
5 g Puderzucker
10 g Frischhefe

250 g Roggenmehl 1150
125 g Roggenmehl 1050
250 ml Wasser
5 g Butter
8 g Honig
9 g Salz



Beim ersten Gehen habe ich dem Teig mehr Zeit gelassen als 30-40 Minuten, weil ich am Räumen war. Er ließ sich aber in der Folge viel angenehmer falten und bearbeiten. Dann habe ich den Teig versuchswesie über Nacht im Gärkorb im Kühlschrank das zweite Mal gehen lassen. Er sah dann so aus:



Am nächsten Morgen wanderte er direkt in den Ofen, auf dem Pizza-/Brotstein gebacken mit ordentlich Dampf.

Es hat auch weitestgehend seine Form behalten. Also entweder ist das 24 stündige Gehen hier von Vorteil oder ich habe es langsam ganz gut raus, das Brot mit wenig Erschütterung auf den Ofenschieber zu geben.



Ergebnis: ein im Geschmack perfekt schmeckendes Brot, der Sauerteig tritt kaum noch vor, was er bei den anderen beiden Varianten ziemlich tat. Viel Lufteinschluss. Tolle Krume. Wenn auch der Bruch nicht naturgegeben kam, ich hatte es wohl zu rund geformt. Innen hatte es eine schöne graue Farbe. Ein richtig gutes saftiges Brot – wie frisch vom Bäcker. Ich denke dieses Rezept gilt für mich in der „Entwicklung” als abgeschlossen.


2015-01-14

„Wobei ich bezweifle, dass unser Agrarminister Schmidt überhaupt unser Agrarminister ist.”

Stevan Paul rechnet im Radio mit TTIP und vor allem der unglaublich schrägen Argumentation von unserem Agrarminister Schmidt, bei dem man sich dieser Tage wirklich fragen muss, wessen überseeisches Parteibuch er eigentlich trägt, ab.

Kurzweilig und hörenswert. Am Samstag wird demonstriert – gegen Gentechnik und TTIP! „Wir haben es satt!” – die Auftaktkundgebung ist um 12:00 Uhr am Potsdamer Platz.

2015-01-13

Brot

Das mit dem Brot selber Backen habe ich im letzten Jahr begonnen, einige misslungene Baguette-Back-Versuche haben mich leicht aus der Bahn geworfen. Baguette backen ist höllisch schwer, finde ich. Da muss ich noch viel und lange üben. Es war vor allem deswegen traumatisch, weil die Dinger immer bei der letzten Gare erst schlapp machten.



Letzte Woche, nachdem Claudia Monika Sauerteig mitbrachte und sie selbst los legte und ihre Ergebnisse mit uns auf Facebook teilte, dachte ich bei mir, ich könnte auch mal wieder mich selbst mit Brot versorgen und warf flugs meinen Sauerteig an. Der schafft sich quasi von selbst, dazu benötigt es nicht viel Talent. Einen halbwegs kontinuierlichen warmen Platz hat er ganz gerne, eine Schüssel, Geschirrtuch, Roggenmehl, Wasser und … Zeit.

Angesetzt wird der Sauerteig mit 100 g Roggenmehl und 100 g warmen Wasser, verrühren, abdecken und 24 h an einem halbwegs warmen Ort stehen lassen. Bei mir ist das im Schlafzimmer unter der Heizung. Am zweiten Tag wird die gleiche Menge Roggenmehl und Wasser unter den Vorteig gerührt und die Schüssel wandert wieder zurück an ihren Platz an der Heizsonne. Tag drei werden dem Vorteig 200 g Roggenmehl und 200 g warmes Wasser zugeführt und wieder ruhig gestellt. Nach 24 Stunden hat man einen angenehm säuerlich riechenden Teig, 800 g, der kleine Blasen wirft.



100 g vom Sauerteig wandern in ein Glas in den Kühlschrank (oder Tiefkühler), dieser dient als Anstellgut für den nächsten Sauerteig. Dem muss man die jeweiligen Zutaten nur zufügen und kann dann schon einen Tag später weiter backen. Die restlichen 700 g dienen dafür ein Brot zu backen von ca. 1.500 g. Oder mehrere kleinere. So wie ich es am Wochenende tat.

Mein erste Brot dieses Wochenende buk ich nach dem Rezept für das rustikale Bauernbrot von Claudia. Wobei ich sagen muss, ich bin nicht das auf das Gramm genau abwiegende Backtalent (außer mittlerweile bei Baguette). Naja, wenn ich einmal 100 g Sauerteig abgewogen habe und weiß, dass sind zwei gute Esslöffel, dann wiege ich beim nächsten Mal nicht mehr. So habe ich Claudiss Rezept vom Anstellgut auch über den Daumen gepeilt hochgerechnet und einfach 100 g Sauerteig zum Backen verwendet, bei Claudias Rezept wären es wohl 75 Gramm gewesen. 8 g Honig waren bei mir der Teelöffel und so weiter. 10 Gramm Frischhefe sind bei mir ein 42 Gramm Frischhefewürfel durch Augenmaß geteilt durch vier. Kommen per Logik natürlich nie 10 Gramm raus, aber hach ja nun! Und das Malz hatte ich mangels Malz weggelassen.

Das hat bestimmt einen sehr wichtigen nachvollziehbaren Sinn, warum man beim Backen auf das Gramm genau abwiegen sollte. Mich macht es nervös, wenn ich nicht freestylen darf.



Drei Brote habe ich am Wochenende gebacken und brav in der Nachbarschaft verteilt. Dabei durfte ich erstmals auf einen Gärkorb zurück greifen, denn mir die liebe Frau Bhuti zum Geburtstag geschenkt hatte. Das erste Brot, dass ich noch vergleichsweise genau an die Rezeptvorlage angelehnt mit Weizenmehl buk, schob ich mangels kleinerem Gußeisentopf in einen dieser mallorquinischen Tontöpfe mit Deckel in den Ofen. Der mit der Heizung fürchterlich anfing zu stinken und die Katzen und mich vermutlich einige Lebensjahre gekostet hatte. Aber das Brot ist sehr fein geworden, die Kruste war perfekt. Das Brot geschmacklich gut und ich esse immer noch sehr gerne daran.



Am nächsten Tag, der Sauerteig übernachtet im Kühlschrank, holte ich alle Zutaten einschließlich der Hefe aus dem Kühler und ließ sich die sensiblen Beteiligten auf Zimmertemperatur akklimatisieren. Mangels Weizenmehl verwendete ich jetzt aber Dinkelmehl 1050 und ich fügte Walnüsse hinzu. Das Brot buk ich in einer kleineren Bain Marie-Schüssel auf die der Deckel meines Edelstahlopfes passte. Der Vorteil hier war, dass der Teig in dem kleineren Topf recht hoch buk. Leider habe ich kein Foto vom Anschnitt. Das Brot war das Mitbringsel für die Kaffeeeinladung. Dieses Mal stellte ich es die letzten zehn Minuten eine Schiene höher im Ofen, um die Krume noch etwas kräftiger zu backen, was ich persönlich mehr mag. Mein Standardspruch beim Backstand ist immer „darf schön dunkel sein.”



Das dritte Brot buk ich dann direkt aus dem Gärkorb auf den Backstein gesetzt pur ohne seitliche Begrenzung, das lief dann natürlich wieder in die Breite, richtete sich aber dennoch dank des Wasserdampfes im Laufe der Backzeit etwas auf. Flach blieb es dennoch. Das setzte ich auch wieder die letzte zehn Minuten eine Schiene höher. Ein perfektes Brot, das natürlich, da ist das Backen auf dem Backstein dann doch die halbe Miete, auch am Boden eine tolle Krume hatte.

Von dem Brot habe ich gar kein Foto, weil ich es mangels Zeit direkt zu den Nachbarn rüber trug, damit sie sich zwischen diesem und dem Walnussbrot entscheiden konnten. Die waren übrigens sichtlich erfreut, denn ihr Brot war gerade zur Neige gegangen. Ich bat um eine Scheibe nach Anschnitt, damit ich einfach mal gucken konnte. Die bekam ich gestern. Geschmacklich fand ich das Brot – ohne Weizenmehl – deutlich besser als meine erste Variante. Auch der schönere Einschluss der Luftblasen zeigte, dass ich auf einem guten Weg bin. Der Teig war zwar heller, die Krume dunkler – aber Geschmacklich war es viel feiner, schmeckte weniger sauer …

Brotbacken ist irrsinnig spannend, weil es eine Kunst ist, die sich sehr entwickelt, wenn man erst einmal damit angefangen hat. Alleine der neue Sprachgebrauch, der sich einem offeriert, wenn man erst einmal damit anfängt. Mir ist, glaube ich, im Küchenbereich noch nie ein Thema begegnet bei dem sich mir ein so großes eigenes Vokabular, die spezielle Backsprache, offenbarte. Ich habe oft meine Lieblingssuchmaschine befragen müssen.

Aber ich mag das. Ich spreche jetzt auch bäkisch.

Und wie Claudia schon in ihrem Blog rät, das Brot zum Aufbewahren in ein Tuch einschlagen. Es bleibt so lange frisch und die Kruste behält ihren Biss! Wie sie das allerdings schafft, das frische warme Brot erst am nächsten Tag anzuschneiden … keine Ahnung!

2015-01-07

Dreierlei Schönsinn

Die kleine graue Katze hat die sehr charmante Angewohnheit Männchen an meinem Bein zu machen, die Pfoten nach oben auszustrecken und kurz zu quäken als Zeichen dafür, dass sie jetzt bitte wie ein kleines Kind von mir auf den Arm genommen werden möchte und in den Himmel der Seligkeit gestreichelt werden möchte.

Die kleine bunte Katze hat die unglaublich charmante Angewohnheit am Fressnapf stehend, bevor sie sich dem Inhalt zuwendet, einen letzten verliebten Blick nach oben in meine Augen zu entsenden und dezent laut dabei zu schnurren, und sich für das, was dann kommt, immer zu bedanken.

Die kleine silberne Katze hat die unfassbare charmante Angewohnheit sich hinzusetzen, den sehr puscheligen Schwanz elegant, aufgeräumt und sehr akkurat um ihre untere Körperhälfte zu legen, mir mit hoch erhobenen Kopf in die Augen zu blicken und mit jeder Faser ihres Körpers und Blickes zu sagen: „Diene mir!”